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Inkjet Pigmentprints vs. digitale Fotobelichtungen

Wir werden immer wieder nach dem Unterschied bzw. den Vor- und Nachteilen von unseren Inkjet Pigmentprints (auch Digital Fine Art Prints) im Vergleich zu digitalen Fotobelichtungen gefragt.

Dazu zählen digitale Ausbelichtungen die mittels RGB-Laser bzw. -LED Belichtern, wie z.B. mit dem legendären Durst Lambda, dem océ LightJet, dem ZBE Chromira und dem Polielettronica LaserLab auf traditionellen Fotoapapieren digital belichtet und anschließend chemisch entwickelt werden.*)

Das ist der Versuch einer objektiven Beschreibung beider Technologien:

1) Druckqualität, Auflösung und Schärfe:

Nominell belichten Laserbelichter mit 200 bzw. 400 dpi Auflösung, moderne Inkjetverfahren (wie z.B. die von Salon Iris eingesetzten Epson Stylus Pro Drucker) mit einer adressierbaren Druckkopf-Auflösung von 720 dpi. Diese Werte können jedoch nicht 1:1 gegenübergestellt werden da die Auflösung der Laserbelichter ca. 4000 dpi visueller Auflösung bei Halbtonverfahren entsprechen soll, das von Inkjet-Pigmentprints durch unterschiedliches "Dithering" (Druckpunktplatzierung) ca. 2880 dpi. In beiden Fällen ist das Druckbild rasterlos und ein Farb- bzw. Druckpunkt mit freiem Auge nicht mehr erkennbar. Experten vertreten häufig die Meinung, dass Fotos mittels Laserbelichter ausbelichtet, wegen der traditionellen Fotoapapiere mitunter etwas "fotografischer" wirken, hochauflösende Pigmentprints (Inkjet Prints mit Pigmenttinten) jedoch deutlich schärfer sind.

2) Gamut / Farbraum:

Eigentlich würde man vermuten, dass der Farbraum der RGB Laser-Fotobelichter, die mittels additiver Farbmischung arbeiten, deutlich größer ist. Tatsache ist jedoch, dass moderne Inkjetverfahren mit bis zu 11 unterschiedlichen Tinten (7 Farben + teilw. Light Töne) einen deutlich größeren Farbraum abdecken und - je nach Medium - höhere Maximaldichten (Dmax) reproduzieren können. Besonders offensichtlich wird das Defizit der digitalen Fotobelichter gegenüber Inkjet Pigmentprints bei intensiven gelben, blauen und grünen Farbtönen.

3) Produktionsgeschwindigkeit:

Laserbelichter sind schnell. Sie können zwischen ca. 25 und 50 m² pro Stunde belichten. Wenn man jedoch den Aufwand für die nachfolgende chemische Nassentwicklung berücksichtigt relativiert sich der Geschwindigkeitsvergleich zu den aktuellen Inkjetdruckern mit wasserbasierenden Pigmenttinten und fotografischer Auflösung. Diese können, je nach Qualität und Auflösung, zwischen 5 und 20 m² pro Stunde bedrucken. Die hohe Produktionsgeschwindigkeit der Fotobelichter in Verbindung mit den deutlich niedrigeren Kosten für Fotopapiere und Chemie führen zu günstigeren Verkaufspreisen verglichen mit Inkjet-Prints auf wertvollen FineArt Papieren.

4) Materialvielfalt:

Seine große Stärke spielt der Inkjetdruck bei der Vielfalt der bedruckbaren Medien aus. Während für Fotobelichter einige wenige (meist PE/Kunststoff-)Fotopapiere zur Auswahl stehen, können Inkjetverfahren hunderte unterschiedliche Materialien bedrucken wie z.B. eine Vielzahl von FineArt- und Foto-Papieren, Folien, Leinwand, Textilien etc.

Mit der neuesten Inkjet-Technologie, den sog. UV-Flachbettdruckern, lassen sich darüber hinaus diverses Plattenmaterial aus Holz, Metall, Kunststoff, Glas usw. direkt bedrucken.

5) Druckformate:

Der Durst Lambda belichtet Fotopapier bis 127 cm Rollenbreite x Rollenlänge, der océ LightJet 500XL (der nicht mehr produziert wird) kann Formate bis 182 x 306 cm belichten. Der Epson Stylus Pro 11880 Inkjetdrucker hingegen bedruckt als zur Zeit breitester "FineArt- und Foto-tauglicher Inkjetdrucker" Materialien bis 162,5 cm Breite x nahezu beliebiger Länge - bei bis zu 2880 dpi nomineller Auflösung. In dieser Breite sind jedoch nur wenige Medien verfügbar, eine größere Auswahl an FineArt Medien gibt es bis 152cm/60" Rollenbreite.

6) Oberflächen-Empfindlichkeit:

Laser-Belichtungen auf Fotopapier sind üblicherweise weniger empfindlich als Inkjetprints mit Pigmenttinten bei denen die Farbpigmente auf der Oberfläche liegen. Bei traditionellen Fotopapieren hingegen sind die Farbstoffe geschützt in der lichtempfindlichen Emulsionsschicht eingebettet.
Inkjetverfahren können, je nach Tinten, Bedruckmaterial, Motiv und Betrachtungswinkel, störende "Differential-Gloss" bzw. "Bronzing" Effekte aufweisen. Diese konnten zuletzt durch rasante Verbesserungen bei Tinten und Medien auf ein Minimum reduziert werden.

7) Haltbarkeit und Lichtbeständigkeit:

Pigmentprints sind heute - abhängig vom Bedruckmaterial - allgemein weit lichtbeständiger als analoge Fotovergrösserungen und digitale Fotobelichtungen. Bei den Fotopapieren ist Fuji Christal Archiva das lichtbeständigste Material. Es ist annähernd so lichtbeständig wie durchschnittliche Inkjet-Pigmentprintverfahren. Viele Pigmentprint Inkjetverfahren sind jedoch, unter den gleichen simulierten Langzeit-Testbedingungen, deutlich lichtbeständiger als (digitale) Fotobelichtungen.
siehe auch:
> http://www.wilhelm-research.com/
> http://www.aardenburg-imaging.com/

8) Flexibilität:

Es gibt diverse beidseitig bedruckbare Inkjet-Papiere - gestrichene Poster- sowie hochwertige FineArt Papiere für Foto-Portfolios, Alben, Musterbücher etc.
Fotopapier ist hingegen nur einseitig belichtbar.

9) Ökologie:

Analoge chemische Film- und Papier-Entwicklungsverfahren belasten die Umwelt wesentlich mehr als unbedenkliche wasserbasierende Pigmenttinten.

10) Die Zukunft:

Die Zukunft gehört - und darüber sind sich alle Experten einig - der Inkjet-Technologie. Mit großen Entwicklungsschritten werden Inkjet Lösungen ständig besser, schneller, größer, vielseitiger und leistungsfähiger.

*) Anm. Jän. 2011: Die Durst Lambda und océ LightJet Laser-Fotobelichter werden nicht mehr produziert. Der letzte Durst Lambda wurde im Dezember 2010 ausgeliefert. 

Stefan Fiedler 

Erstellt am 17.08.2013 von Stefan Fiedler.