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Ein Plädoyer für die Elektromobilität

Renault Kangoo Z.E. Elektro-Lieferwagen

 

Im folgende möchte ich meine Überlegungen für die Anschaffung unseres neuen Elektro-Lieferwagens der Marke Renault Kangoo Z.E. (Zero Emission) darstellen. Ich würde mich freuen damit Anregungen zu geben und stehe gerne für Rückfragen und Diskussionen zur Verfügung.

Dank einer großzügigen Förderung der Wiener Wirtschaftsagentur für Elektro-Lieferwagen (sog. „Fiskal LKW“) habe ich mich Ende 2014 entschlossen unseren 14 Jahre alten Fiat Doblo Kastenwagen durch einen Renault Kangoo Z.E. Elektro-Lieferwagen zu ersetzen.

Wegen der geringen Stückzahlen und damit einhergehend hohen Kosten für Elektroautos sowie der noch immer überschaubaren Kapazität der Akkus geht es mir vorrangig nicht um Kostenersparnis. Ausschlaggebende Gründe für die Anschaffung waren:

  • technisches Interesse
  • der Wunsch Technologie-Vorreiter zu sein mit dem Bewußtsein, daß es eine kritische Menge an frühen Anwendern erfordert die sich die Technologie jetzt schon leisten wollen um der Elektromobilität auf die Sprünge zu helfen. Es führt kein Weg daran vorbei sich Gedanken zu machen über die Grenzen der Mobilität in ihrer bisherigen Form mittels Verbrennung limitierter, fossiler Energiequellen.
  • absolut emissionsfreie Fortbewegung. Als begeisterter Stadt-Radfahrer lag mir dieser Punkt besonders am Herzen!
  • Elektromotoren haben einen Wirkungsgrad von ca. 90% während Verbrennungsmotoren nur maximal 40% erreichen.
  • völlig geräuschloses Fahrvergnügen mit Automatik-Feeling (kein Kuppeln und Schalten). Bis 30 km/h wird ein leiser Fußgänger-Warnton erzeugt (der im Fahrzeug nicht hörbar ist und der optional abgeschaltet werden kann) den vor allem Blinde wahrnehmen können. Ab 30 km/h dürfte das Abrollgeräusch der Reifen bereits dafür ausreichen um ein herannahendes Elektroauto in ausreichender Entfernung zu erkennen.
  • Das fehlende Getriebe und Kupplung minimiert den Wartungsaufwand und die damit verbundenen Kosten. Ölwechsel war gestern! Da man das Auto bei vorausschauender Fahrweise großteils durch sog. „Rekuperation“ abbremst (Motorbremse bei der der Elektromotor beim Rollen des Fahrzeuges zu einem Dynamo wird und den Akku auflädt) werden auch so gut wie keine Bremsbeläge benötigt.
  • Fahrspaß: Elektromotoren entwickeln das volle Drehmoment von unten weg. Die Beschleunigung ist selbst bei dem Elektro-Lieferwagen erstaunlich!


Mein ursprünglicher Plan das Elektroauto mit eigenem Solarstrom zu betreiben wurde leider dadurch vereitelt, daß am leerstehenden Nachbargrundstück unseres Studios über Nacht die Bauordnung geändert und die maximale Bauhöhe auf die doppelte Höhe angehoben wurde („Nachverdichtung in Ballungszentren“ nennt man das). Der nun entstandene Neubau schattet das für die Solarpanele vorgesehene Flachdach leider vollkommen ab. In Österreich befinden wir uns jedoch in der glücklichen Lage, daß wir einen Großteil des Stromes aus wiedererneuerbaren Energiequellen, allen voran Wasserkraft, gewinnen. Auch Solar- und Windenergie gewinnen immer mehr an Bedeutung.
Darüberhinaus denke ich, daß die zentrale Stromerzeugung unter optimalen Bedingungen deutlich effizienter und schadstoffarmer ist als die dezentrale Verbrennung von Treibstoff in Millionen individueller Kraftfahrzeuge. Dem gegenüber stehen zugegeben Leitungsverluste und die Verschandelung unserer Umwelt durch Überland-Stromleitungen. Das Gleiche gilt für Windkraftwerke jedoch sind diese - im Gegensatz zu Wasserkraft-, kalorischen- oder gar Atomkraftwerken - jederzeit über Nacht demontierbar und ggf. durch modernere, effizientere Technologien ersetzbar.

Als momentan größten Nachteil der Elektromobilität sehe ich zur Zeit weniger die oft kritisierte geringe Kapazität der Akkus und damit die reduzierte Reichweite sondern eher die mangelnde Präsenz von Lademöglichkeiten im öffentlichen Bereich. Solange es nicht mehr Ladestationen gibt werden sich Elektroautos vermutlich nicht wirklich durchsetzen aber eben auch umgekehrt (Henne-Ei Problem). Unser Kangoo Z.E. hat im Sommer eine Reichweite von ca. 130-140 km was für uns im normalen täglichen Stadtverkehr vollkommen ausreicht. Im Winter, bei niedrigeren Temperaturen (die die Antriebsakkus nicht so gerne haben) und bei der Zuschaltung der Heizung, Licht etc. reduziert sich die Reichweite angeblich auf 80-90 km was für uns immer noch mehr als genug ist. In 6-9 Stunden wäre der komplett leergefahrene Akku wieder voll aufgeladen. Wir haben es aber bisher noch nie darauf ankommen lassen den Akku ganz leer zu fahren und laden ihn bei jeder Gelegenheit auf. Andere Ladetechnologien mit höheren Ladeströmen erlauben die Schnellladung der Akkus in deutlich kürzerer Zeit (80% Akkuladung binnen 30 Minuten).

Ich bin überzeugt davon, daß innerstädtisch und für regelmäßige kurze Überlandstrecken (z.B. Pendlerverkehr in den Großräumen und Ballungszentren) zumindest jedes Zweitauto in Familien sowie viele Liefer- und Firmenautos bereits jetzt ein umweltschonendes Elektroauto sein könnten, vorausgesetzt man verfügt über eine Lademöglichkeit. Um der Elektromobilität jedoch zum flächendeckenden Durchbruch zu verhelfen muß vor allem die Verfügbarkeit von öffentlichen Ladestationen sowie die Leistungsdichte der Akkus noch deutlich verbessert werden. Das sind beides Punkte an denen die internationalen Erdöl-Multis vermutlich kein Interesse haben - aber das ist ein anderes Thema ….

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Interessantes Detail am Rande: Renault baut in die Z.E. Elektrofahrzeuge offenbar eine sogenannte "Telematik-Box" (GPS-Sender) ein, die eine ständige Standortbestimmung der Fahrzeuges ermöglicht. Die Daten werden an das RENAULT "Data Center" in Frankreich weiterleitet. Zudem führt Renault auch im Vertrag - den man erst erhält wenn man das Auto erworben hat - die Möglichkeit der "ferngesteuerten Steuerung gewisser Funktionen" an. Big Brother is watching! Jetzt noch kurios, in Zukunft vermutlich selbstverständlich ......

 

Weitere Informationen zu Elektroautos: https://de.wikipedia.org/wiki/Elektroauto

 

Stefan Fiedler, September 2015

Erstellt am 15.09.2015 von Stefan Fiedler.